Geschichtliches in Ausführlichkeit
Um 1750 fand für die wenigen
Bauernkinder in Volksdorf der Unterricht noch
zu Hause beim Schuster Kohmann statt. Doch Herr Kohmann war alt
geworden. Die Dorfkinder brauchten einen neuen Schulmeister - und damit
auch gleich eine neue Schule. Inzwischen gab es die Schulpflicht und
damit reichte die Stube eines Schusters oder Schneiders nicht mehr aus.
Zu
Anfang des Jahres 1752 war der Hamburger Kaufmann und Senator Boetefeur
zum Waldherren, dem für die hamburgischen Walddörfer zuständigen
Senator, ernannt worden. Er hatte die Nöte der Bauern erkannt. Er half
überall, wo die Sorgen am Größten waren. Mit seiner Hilfe und seinem
Geld wurde ein Schulbau in Volksdorf möglich und bereits im selben Jahr
oben auf dem heutigen "Kirchberg", einem von zwei eiszeitlichen
Sandhügeln, errichtet
(nach Errichtung der Schulkate bis zum Bau der Rockenhofkirche
"Schulberg" genannt; der zweite Sandberg in Volksdorf wurde 1912 als
Grundlage für den U-Bahnhof umgestaltet).
Dieses neue Schulhaus wurde 1752 noch ganz in der hergebrachten Tradition
eines bäuerlichen, strohgedeckten Fachwerkhauses im Typus des
niederdeutschen Zweiständer-Fachhallenhauses erbaut. Im Wohnteil, dem Kammerfach, befanden
sich statt der sonst üblichen Wohnstuben zwei Schulstuben. Im hinteren
Teil des Hauses, dem Flett und der Groot Deel, konnte der Schulmeister in einfachstem
Stil bäuerlich wirtschaften. Die
Lage der Wohnstube des Schulmeisters ist nicht bekannt - wahrscheinlich
arbeitete und wohnte er in einer der Schulstuben und schlief im sehr
niedrigen Obergeschoss, das allerdings nicht über eine normale Treppe,
wahrscheinlich nur über eine Stiege mit Luke in der Decke, erreichbar
war. Vom Schulgeld allein
konnte ein Schulmeister auch in der neuen Schulkate nicht leben. So verdiente er sich als Schuster
oder Schneider seinen Unterhalt. Der Schulmeister genoss im Dorf wenig Ansehen und war gezwungen, ein
ärmliches Leben zu führen. Das Schulgeld kam spärlich ein.
Die Kinder besuchten den Unterricht nur unregelmäßig, mussten viel auf dem elterlichen Hof helfen, kamen oft nur
im Winter und bezahlten nur bei Anwesenheit. Erst durch
die Landzuteilung im Rahmen der Verkoppelung 1799 wurde der Lehrer wirtschaftlich
besser gestellt. Jetzt erhielt er 78 Quadratruten Gartenland zur persönlichen
Nutzung. Das entsprach dem Besitz einer Brinksitzerstelle, einem Helfer auf einem
Bauernhof mit eigenem Haus und etwas Land.
Im Jahr 1828 zeigte es sich, dass die Schulkate
baufällig geworden war. Da die Schule mit den zwei Klassenräumen
ohnehin für die größer gewordene Schar von Schülern
zu klein geworden war, entschloss man sich zu einem Neubau. Die Kate von
1752 wurde auf Abbruch verkauft. Der Ohlstedter Vollhufner (Bauer mit einem
großen, vollwertigen Hof, im Gegensatz zum Halbhufner und Brinksitzer)
Cord Hinrich Bock fand sich als Käufer. Er kaufte die Kate am 20.7.1830,
brachte das Abbruchmaterial nach Ohlstedt und baute die Kate an der Alten
Dorfstraße 23, Ecke Melhopweg wieder auf. Eine wechselvolle Geschichte
begann. Sie ist nur in Teilen bekannt. So ist leider unbekannt, wann die
Kate um ein Fach mit dem Schaugiebel (Vollgiebel am Witschaftsteil, statt
des üblichen Krüppelwalms) verlängert wurde. Die geänderte Konstruktion
ist heute noch im Dachraum erkennbar!
Der Heimatforscher Alf Schreyer (1915 - 1993)
fand 1983 rechtzeitig kurz vor Abriss der Kate und deren endgültigem Ende auf einer Kippe
Vergessenes
über die Historie des ersten Volksdorfer Schulgebäudes heraus.
Die Vereinsschrift des Bürgervereins Walddörfer, "Das Waldhorn",
dem dieser Text hier zu Grunde liegt, berichtete in seiner Ausgabe
Nr.2/83
davon. Hierauf beschloss die Initiativgruppe Johanna Hedrich, Christel
Soethe, Jochen Beckmann und Architekt Dietrich Raeck, die Kate zu
retten,
sie fachmännisch abzutragen und für einen Wiederaufbau einzulagern.
Insgesamt fanden sich 42 freiwillige Helfer, die beim Abtragen des
Hauses
stunden- oder tageweise mit Hand anlegten! Selbst die Ziegelsteine
wurden einzeln ausgebaut, gereinigt und auf Paletten gelegt. In nur
zwei Wochen und drei
Wochenenden war die Arbeit geschafft. Dann kamen Zimmerleute und ein
Kran, die das inzwischen nummerierte Fachwerkgerüst vorsichtig
auseinander nahmen.
Glücklicherweise
konnten die Hölzer auf den damaligen hamburgischen Staatsgütern Wulksfelde (Fachwerk) und Wulfsdorf (Türen und Fenster) sowie beim
Amalie-Sieveking-Krankenhaus (Steine auf Paletten) eingelagert
werden.
Was keiner ahnte, die Suche nach einem
geeigneten
Standort und die nötigen Finanzmittel für den Wiederaufbau, zog sich
sechs Jahre hin. Aus der Initiative musste ein Verein werden, um mit der Liegenschaft der Stadt Hamburg über den Erwerb
eines Grundstücks verhandeln zu können. 1986 wurde der "Verein zur Erhaltung der ehemaligen Volksdorfer
Schulkate von 1752 e.V." gegründet (heute "Verein Schulkate Volksdorf
e.V."). Am 7.3.1989 konnte der Mietvertrag mit der Freien und Hansestadt Hamburg unterzeichnet werden. Sogleich ging es mit den Arbeiten unter
der Leitung des Architekten Dietrich Raeck los! Bei heftigem Regen wurden die riesigen Balken in Wulksfelde per Hand auf einen alten Laster aufgeladen und nach
Volksdorf transportiert. Den Wiederaufbau des Original-Fachwerks übernahm
der Fachwerk-Restaurator Bodo Vogel. Nur wenige Ergänzungen und Ausbesserungen
waren notwendig. Die Hölzer befanden sich in einem überraschend guten Zustand.
Drei Eichen hatte der Volksdorfer Förster Bergner an den Bocksbergen bereits für die Schulkate fällen lassen. Sie wurden in dem Sägewerk Peemöller
in Ahrensburg-Tiergarten auf Maß zugeschnitten. Die Findlinge (große Natursteine) unter den Schwellen bekamen wir vom Ausgrabungsgelände des 1806 abgerissenen Doms neben der Hamburger Hauptkirche St.Petri. Sie wurden per LKW nach Volksdorf
geschafft, die kleinen Findlinge am Lottbeker Stauteich aufgelesen
("Lesesteine"). Die Original-Ziegelsteine
wurden per Menschenkette von Mitgliedern des NABU, Ortsgruppe
Walddörfer,
am Amalie-Sieveking-Krankenhaus auf ein Treckergespann des letzten
Volksdorfer Bauern, Claus
Ferck, auf- und an der Baustelle "Im Alten Dorfe" wieder abgeladen (die
Paletten waren nach sechs Jahren Lagerung nicht mehr transportfähig).
Die Firma Albert Gehrmann GmbH aus Berne
baute sie im Innern der Kate wieder ein. Dort sind sie heute noch
sichtbar!
Außen mussten neue Steine verwendet werden. Sie wurden von einer
belgischen Ziegelei gebrannt. Die Eingangs-Pflastersteine stammen von dem Feld westlich der Bocksberge. Sie brachte ein Treckergespann des Demeter-Hofes
"Gut Wulfsdorf" nach Volksdorf.
Das Richtfest mit Grundsteinlegung wurde am 30.6.1989 mit geladenen Gästen feierlich begangen. Die in Barmbek alt eingessene Sanitärfirma Walter Reyher GmbH spendete die
handgefertigte Kassette. Sie wurde mit diversen, für die Nachwelt interessanten
Unterlagen, wie geschichtlichem Abriss, Aufmaß- und Bauplänen, Tageszeitungen, "Heimat Echo" und "Markt" gefüllt.
Sie wurde verlötet und unter dem Schornstein eingemauert. Die Ansprachen
hielten der Leiter des Denkmalschutzamtes, Prof. Dr. Fischer, wohnhaft
in Volksdorf, und der Heimatforscher Alf Schreyer aus Ohlstedt. Der Chor der Grundschulschule Ahrensburger Weg sang und die Freiwillige
Feuerwehr Volksdorf gab Erbsensuppe aus.
Das Reetdach wurde sogleich im Sommer 1989
von
der Firma Klaus Steenbock aufgebracht. Damit gab es für die weiteren
Bauarbeiten eine trockene Baustelle. Der Innenausbau und die
Einrichtung des
Restaurants
dauerte noch bis zum folgenden Frühjahr. Am 1.3.1990 eröffnete
im Erdgeschoss der aus Volksdorf stammende Ahrensburger Wirt Uli Schult
sein Bier-Restaurant EULENKRUG (genannt nach einem ehemaligen Krug an
der Chaussee Woldenhorn/Ahrensburg - Wandsbek, der heutigen B75, am
Abzweig nach Volksdorf, der Eulenkrugstraße).
Im November 1990 erfolgte die Einweihung des Veranstaltungsraumes im Dachgeschoss durch
den Bauherrn, dem "Verein zur Erhaltung der ehemaligen Volksdorfer Schulkate
von 1752 e.V.", mit einem einwöchigen Programm. Seitdem wird der Raum von Vereinen (Naturschutzbund Deutschland NABU, Kulturkreis Walddörfer, Bürgerverein
Walddörfer), Privatpersonen und Gewerblichen (Musikalische Früherziehung für Kinder) gegen
wenig, weniger oder mehr Miete genutzt. Der NABU - damals noch Deutscher Bund für Vogelschutz DBV genannt - stiftete das Mobiliar. Seit
Mai
2002 bewitschaften Cornelia und Klaus Bahne den EULENKRUG.
Das Dachgeschoss kann mit Bewirtung für gesellige Anlässe über den
EULENKRUG gemietet werden. Im
August 2004 nannte sich der Trägerverein in
"Verein Schulkate Volksdorf e.V." um. Der lange Name "Verein zur
Erhaltung der ehemaligen Volksdorfer Schulkate von 1752 e.V." war nicht
mehr erforderlich, da die Schulkate inzwischen gerettet und wieder
aufgebaut war. Die Ziele des Vereins haben sich nicht geändert. Es geht
weiterhin um die
Bewirtschaftung der Schulkate, die Vermietung des Dachgeschosses sowie
die Förderung kultureller Veranstaltungen im Hause wie auch in den
hamburgischen Walddörfern und deren Umgebung. Seit 2008 ist die Schulkate der Vorbereitungstreff der KUNSTSPUREN VOLKSDORF, seit 2009 findet hier nach 14 Jahren Pause wieder der Kunsthandwerkermarkt statt und seit 2010 ist der "Verein Schulkate" Mit-Organisator und Teilnehmer der KUNSTMEILE VOLKSDORF. Im Herbst
2008 musste nach nur 19 Jahren die Reetdeckung erneuert werden. Die Arbeit führte, wie auch im
benachbarten Museumsdorf Volksdorf, die Firma Joachim Schröter aus
Vielank in Mecklenburg-Vorpommern aus. Im Herbst 2009 erhielt der Versammlungsraum eine Eichendielung aus Vollholz,
ausgeführt von unserem Fachwerkrestaurator Bodo Vogel. Der Tischler Klaus Viol aus Ohlstedt stellte vier neue Tische her. Das jetzige
Farbkonzept des Versammlungsraums gestaltete der Maler Bernd
Wiedemann aus Eimsbüttel. Die Heizungsanlage wartet die in Barmbek alteingesesene Sanitärfirma Walter Reyher GmbH.
|