VOLKSDORFER SCHULKATE
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Geschichte auf die Schnelle 

1752 wurde die Schulkate auf Kosten des Senators Boetefeur in Volksdorf erbaut, einem seit 1437 zu Hamburg gehörendem, weit vor den Toren der Stadt gelegenem Dorf.
1828 wurde eine größere Schule benötigt, die Schulkate auf Abbruch nach Ohlstedt verkauft und dort 1830 wieder aufgebaut.
1983 war das Gebäude so baufällig, dass es abgerissen werden sollte. Eine Privatinitiative um den Architekten Dietrich Raeck aus Volksdorf trug mit vielen Freunden und Bekannten alles vorsichtig ab und lagerte es ein.
1989 stand die Finanzierung, ein Grundstück in Volksdorf war gefunden. Der Wiederaufbau konnte beginnen. Nur wenig neues Holz musste ergänzt werden. Selbst die Steine aus der Ohlstedter Zeit konnten innen wieder eingebaut werden. Seit 1.3.1990 beherbergt die Schulkate nun den EULENKRUG, ein Bier-Restaurant mit gutem Ruf weit über die Grenzen Volksdorfs hinaus.
Das Dachgeschoss vermietet der "Verein Schulkate Volksdorf e.V." für Veranstaltungen aller Art zu sozial abgestimmten Preisen.

Geschichte der Volksdorfer Schulkate
 

Geschichtliches in Ausführlichkeit

Um 1750 fand für die wenigen Bauernkinder in Volksdorf der Unterricht noch zu Hause beim Schuster Kohmann statt. Doch Herr Kohmann war alt geworden. Die Dorfkinder brauchten einen neuen Schulmeister - und damit auch gleich eine neue Schule. Inzwischen gab es die Schulpflicht und damit reichte die Stube eines Schusters oder Schneiders nicht mehr aus.

Zu Anfang des Jahres 1752 war der Hamburger Kaufmann und Senator Boetefeur zum Waldherren, dem für die hamburgischen Walddörfer zuständigen Senator, ernannt worden. Er hatte die Nöte der Bauern erkannt. Er half überall, wo die Sorgen am Größten waren. Mit seiner Hilfe und seinem Geld wurde ein Schulbau in Volksdorf möglich und bereits im selben Jahr oben auf dem heutigen "Kirchberg", einem von zwei eiszeitlichen Sandhügeln, errichtet (nach Errichtung der Schulkate bis zum Bau der Rockenhofkirche "Schulberg" genannt; der zweite Sandberg in Volksdorf wurde 1912 als Grundlage für den U-Bahnhof umgestaltet). Dieses neue Schulhaus wurde 1752 noch ganz in der hergebrachten Tradition eines bäuerlichen, strohgedeckten Fachwerkhauses im Typus des niederdeutschen Zweiständer-Fachhallenhauses erbaut. Im Wohnteil, dem Kammerfach, befanden sich statt der sonst üblichen Wohnstuben zwei Schulstuben. Im hinteren Teil des Hauses, dem Flett und der Groot Deel, konnte der Schulmeister in einfachstem Stil bäuerlich wirtschaften. Die Lage der Wohnstube des Schulmeisters ist nicht bekannt - wahrscheinlich arbeitete und wohnte er in einer der Schulstuben und schlief im sehr niedrigen Obergeschoss, das allerdings nicht über eine normale Treppe, wahrscheinlich nur über eine Stiege mit Luke in der Decke, erreichbar war. 

Vom Schulgeld allein konnte ein Schulmeister auch in der neuen Schulkate nicht leben. So verdiente er sich als Schuster oder Schneider seinen Unterhalt. Der Schulmeister genoss im Dorf wenig Ansehen und war gezwungen, ein ärmliches Leben zu führen. Das Schulgeld kam spärlich ein. Die Kinder besuchten den Unterricht nur unregelmäßig, mussten viel auf dem elterlichen Hof helfen, kamen oft nur im Winter und bezahlten nur bei Anwesenheit. Erst durch die Landzuteilung im Rahmen der Verkoppelung 1799 wurde der Lehrer wirtschaftlich besser gestellt. Jetzt erhielt er 78 Quadratruten Gartenland zur persönlichen Nutzung. Das entsprach dem Besitz einer Brinksitzerstelle, einem Helfer auf einem Bauernhof mit eigenem Haus und etwas Land.

Im Jahr 1828 zeigte es sich, dass die Schulkate baufällig geworden war. Da die Schule mit den zwei Klassenräumen ohnehin für die größer gewordene Schar von Schülern zu klein geworden war, entschloss man sich zu einem Neubau. Die Kate von 1752 wurde auf Abbruch verkauft. Der Ohlstedter Vollhufner (Bauer mit einem großen, vollwertigen Hof, im Gegensatz zum Halbhufner und Brinksitzer) Cord Hinrich Bock fand sich als Käufer. Er kaufte die Kate am 20.7.1830, brachte das Abbruchmaterial nach Ohlstedt und baute die Kate an der Alten Dorfstraße 23, Ecke Melhopweg wieder auf. Eine wechselvolle Geschichte begann. Sie ist nur in Teilen bekannt. So ist leider unbekannt, wann die Kate um ein Fach mit dem Schaugiebel (Vollgiebel am Witschaftsteil, statt des üblichen Krüppelwalms) verlängert wurde. Die geänderte Konstruktion ist heute noch im Dachraum erkennbar!

Der Heimatforscher Alf Schreyer (1915 - 1993) fand 1983 rechtzeitig kurz vor Abriss der Kate und deren endgültigem Ende auf einer Kippe Vergessenes über die Historie des ersten Volksdorfer Schulgebäudes heraus. Die Vereinsschrift des Bürgervereins Walddörfer, "Das Waldhorn", dem dieser Text hier zu Grunde liegt, berichtete in seiner Ausgabe Nr.2/83 davon. Hierauf beschloss die Initiativgruppe Johanna Hedrich, Christel Soethe, Jochen Beckmann und Architekt Dietrich Raeck, die Kate zu retten, sie fachmännisch abzutragen und für einen Wiederaufbau einzulagern. Insgesamt fanden sich 42 freiwillige Helfer, die beim Abtragen des Hauses stunden- oder tageweise mit Hand anlegten! Selbst die Ziegelsteine wurden einzeln ausgebaut, gereinigt und auf Paletten gelegt. In nur zwei Wochen und drei Wochenenden war die Arbeit geschafft. Dann kamen Zimmerleute und ein Kran, die das inzwischen nummerierte Fachwerkgerüst vorsichtig auseinander nahmen. Glücklicherweise konnten die Hölzer auf den damaligen hamburgischen Staatsgütern Wulksfelde (Fachwerk) und Wulfsdorf (Türen und Fenster) sowie beim Amalie-Sieveking-Krankenhaus (Steine auf Paletten) eingelagert werden. 

Was keiner ahnte, die Suche nach einem geeigneten Standort und die nötigen Finanzmittel für den Wiederaufbau, zog sich sechs Jahre hin. Aus der Initiative musste ein Verein werden, um mit der Liegenschaft der Stadt Hamburg über den Erwerb eines Grundstücks verhandeln zu können. 1986 wurde der  "Verein zur Erhaltung der ehemaligen Volksdorfer Schulkate von 1752 e.V." gegründet (heute "Verein Schulkate Volksdorf e.V."). Am 7.3.1989 konnte der Mietvertrag mit der Freien und Hansestadt Hamburg  unterzeichnet werden. Sogleich ging es mit den Arbeiten unter der Leitung des Architekten Dietrich Raeck los!
Bei heftigem Regen 
wurden die riesigen Balken in Wulksfelde per Hand auf einen alten Laster aufgeladen und nach Volksdorf transportiert. Den Wiederaufbau des Original-Fachwerks übernahm der Fachwerk-Restaurator Bodo Vogel. Nur wenige Ergänzungen und Ausbesserungen waren notwendig. Die Hölzer befanden sich in einem überraschend guten Zustand. Drei Eichen hatte der Volksdorfer Förster Bergner an den Bocksbergen bereits für die Schulkate fällen lassen. Sie wurden in dem Sägewerk Peemöller in Ahrensburg-Tiergarten auf Maß zugeschnitten. Die Findlinge (große Natursteine) unter den Schwellen bekamen wir vom Ausgrabungsgelände des 1806 abgerissenen Doms neben der Hamburger Hauptkirche St.Petri. Sie wurden per LKW nach Volksdorf geschafft, die kleinen Findlinge am Lottbeker Stauteich aufgelesen ("Lesesteine"). Die Original-Ziegelsteine wurden per Menschenkette von Mitgliedern des NABU, Ortsgruppe Walddörfer, am Amalie-Sieveking-Krankenhaus auf ein Treckergespann des letzten Volksdorfer Bauern, Claus Ferck, auf- und an der Baustelle "Im Alten Dorfe" wieder abgeladen (die Paletten waren nach sechs Jahren Lagerung nicht mehr transportfähig). Die Firma Albert Gehrmann GmbH aus Berne baute sie im Innern der Kate wieder ein. Dort sind sie heute noch sichtbar! Außen mussten neue Steine verwendet werden. Sie wurden von einer belgischen Ziegelei gebrannt. Die Eingangs-Pflastersteine stammen von dem Feld westlich der Bocksberge. Sie brachte ein Treckergespann des Demeter-Hofes "Gut Wulfsdorf" nach Volksdorf.

Das Richtfest mit Grundsteinlegung wurde am 30.6.1989  mit geladenen Gästen feierlich begangen. Die in Barmbek alt eingessene Sanitärfirma Walter Reyher GmbH spendete die handgefertigte Kassette. Sie wurde mit diversen, für die Nachwelt interessanten Unterlagen, wie geschichtlichem Abriss, Aufmaß- und Bauplänen, Tageszeitungen, "Heimat Echo" und "Markt" gefüllt. Sie wurde verlötet und unter dem Schornstein eingemauert. Die Ansprachen hielten der Leiter des Denkmalschutzamtes, Prof. Dr. Fischer, wohnhaft in Volksdorf, und der Heimatforscher Alf Schreyer aus Ohlstedt. Der Chor der Grundschulschule Ahrensburger Weg sang und die Freiwillige Feuerwehr Volksdorf gab Erbsensuppe aus. 

Das Reetdach wurde sogleich im Sommer 1989 von der Firma Klaus Steenbock aufgebracht. Damit gab es für die weiteren Bauarbeiten eine trockene Baustelle. Der Innenausbau und die Einrichtung des Restaurants dauerte noch bis zum folgenden Frühjahr. Am 1.3.1990 eröffnete im Erdgeschoss der aus Volksdorf stammende Ahrensburger Wirt Uli Schult sein Bier-Restaurant EULENKRUG (genannt nach einem ehemaligen Krug an der Chaussee Woldenhorn/Ahrensburg - Wandsbek, der heutigen B75, am Abzweig nach Volksdorf, der Eulenkrugstraße). 

Im November 1990 erfolgte die Einweihung des Veranstaltungsraumes im Dachgeschoss durch den Bauherrn, dem "Verein zur Erhaltung der ehemaligen Volksdorfer Schulkate von 1752 e.V.", mit einem einwöchigen Programm. Seitdem wird der Raum von Vereinen (Naturschutzbund Deutschland NABU, Kulturkreis Walddörfer, Bürgerverein Walddörfer), Privatpersonen und Gewerblichen (Musikalische Früherziehung für Kinder) gegen wenig, weniger oder mehr Miete genutzt. Der NABU - damals noch Deutscher Bund für Vogelschutz DBV genannt - stiftete das Mobiliar. 

Seit Mai 2002 bewitschaften Cornelia und Klaus Bahne den EULENKRUG. Das Dachgeschoss kann mit Bewirtung für gesellige Anlässe über den EULENKRUG gemietet werden.

Im August 2004 nannte sich der Trägerverein in "Verein Schulkate Volksdorf e.V." um. Der lange Name "Verein zur Erhaltung der ehemaligen Volksdorfer Schulkate von 1752 e.V." war nicht mehr erforderlich, da die Schulkate inzwischen gerettet und wieder aufgebaut war. Die Ziele des Vereins haben sich nicht geändert. Es geht weiterhin um die Bewirtschaftung der Schulkate, die Vermietung des Dachgeschosses sowie die Förderung kultureller Veranstaltungen im Hause wie auch in den hamburgischen Walddörfern und deren Umgebung. 

Seit 2008 ist die Schulkate der Vorbereitungstreff der KUNSTSPUREN VOLKSDORF, seit 2009 findet hier nach 14 Jahren Pause wieder der Kunsthandwerkermarkt statt und seit 2010 ist der "Verein Schulkate" Mit-Organisator und Teilnehmer der KUNSTMEILE VOLKSDORF.

Im Herbst 2008 musste nach nur 19 Jahren die Reetdeckung erneuert werden. Die Arbeit führte, wie auch im benachbarten Museumsdorf Volksdorf, die Firma Joachim Schröter aus Vielank in Mecklenburg-Vorpommern aus. 

Im Herbst 2009 erhielt der Versammlungsraum eine Eichendielung aus Vollholz, ausgeführt von unserem Fachwerkrestaurator Bodo Vogel. Der Tischler Klaus Viol aus Ohlstedt stellte vier neue Tische her. Das jetzige Farbkonzept des Versammlungsraums gestaltete der Maler Bernd Wiedemann aus Eimsbüttel. Die Heizungsanlage wartet die in Barmbek alteingesesene Sanitärfirma Walter Reyher GmbH.  

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